Für Eltern

Kleine Spiele und Übungen für den ersten Schachkontakt mit Kindern

Man braucht nicht sämtliche Regeln zu beherrschen, um loszulegen: Schon mit zwei oder drei Figuren lässt sich gewinnen, verlieren und überlegen. Hier warten klassische Minispiele und überprüfte Aufgaben, von den simpelsten bis zu anspruchsvolleren.

Das Wichtigste in Kürze

Wer Schach spielerisch erlernen möchte, fängt mit Minispielen an, die lediglich eine oder zwei Figurenarten nutzen, etwa dem Bauernrennen, und geht erst danach zur vollwertigen Partie über. Jedes Minispiel trainiert nur eine einzige Regel und ist in wenigen Minuten erledigt. Anschließend folgen Mattaufgaben mit einem Zug, die sich bestens eignen, um den Blick für das gesamte Brett zu schulen.

Kinder erfassen Schach durch Tun und nicht durch das Anhören einer Regelliste. Aus diesem Grund setzen Trainer und Schulprogramme auf Minispiele: vereinfachte Partien mit wenigen Figuren und einem klaren Ziel. So lässt sich schon in der ersten Unterrichtsstunde gespielt werden, und jede Figur wird sicher beherrscht, bevor alle gemeinsam auf dem Brett stehen.

Mini-Schachspiel
Vereinfachte Partie mit nur einem Teil der Figuren und einem abgewandelten Ziel (etwa einen Bauern an das Ende führen oder sämtliche gegnerischen Figuren schlagen). Sie dient dazu, jeweils eine Regel durch unmittelbares Spielen zu erlernen.

Schach spielend leicht lernen: Minispiele Figur für Figur

MinispielEingesetzte FigurenZielWas dabei vermittelt wirdAlter ab
Das Wettrennen der Bauernjeweils 8 Bauern (oder weniger)Als Erster einen Bauern auf die letzte Reihe führenBauernzug und Bauernschlag, Gedanke der Umwandlung4-5 Jahre
Türme gegen Bauern2 Türme auf der einen Seite, 8 Bauern auf der anderenDie Türme müssen sämtliche Bauern schlagen, bevor einer von ihnen das Ende erreichtTurmbewegung und Turmschlag5-6 Jahre
Läufer gegen Bauern2 Läufer gegen 4 bis 6 BauernGleiches GrundprinzipDiagonalen und Feldfarben5-6 Jahre
Der hungrige Springer1 Springer und stillstehende BauernAlle Bauern mit möglichst wenigen Zügen schlagenDer Sprung im Winkel „L“6 Jahre
Der König nebst seinen BauernKönig und jeweils 8 BauernEntweder einen Bauern zur Umwandlung führen oder sämtliche gegnerischen Bauern vom Brett nehmenKönigsbewegung und Koordination6-7 Jahre

Das Bauernrennen: die Grundvariante

Jeder Spieler stellt seine acht Bauern auf die Ausgangsreihe, weitere Figuren gibt es nicht. Abwechselnd zieht man nach den üblichen Bauernregeln: Der Bauer rückt ein Feld geradeaus vor (beim ersten Zug auch zwei Felder) und schlägt diagonal nach vorn. Wer als Erster einen Bauern auf die letzte Reihe bringt, gewinnt. Ist ein Spieler nicht mehr zum Ziehen imstande, hat er verloren.

Dieses Minispiel steckt voller Tiefe, mehr als man auf den ersten Blick vermutet: Man bemerkt, dass ein blockierter Bauer nutzlos bleibt, dass ein einsam vorrückender Bauer geschlagen wird und dass man manchmal einen Bauern opfern muss, damit ein anderer durchkommt. Für die Allerjüngsten beginnt man mit je drei Bauern auf drei nebeneinanderliegenden Linien.

Türme gegen Bauern

Auf einer Seite stehen zwei Türme auf ihren Startfeldern, auf der anderen acht Bauern auf der Ausgangsreihe. Die Bauern eröffnen. Die Türme siegen, sobald sie sämtliche Bauern geschlagen haben; die Bauern siegen, wenn einer von ihnen die letzte Reihe erreicht. Anschließend tauscht man die Rollen. Die Kinder erkennen sehr rasch die Stärke der Türme … und die Schlagkraft der Bauern, die sich gegenseitig decken.

Der hungrige Springer

Man stellt einen Springer und einige Bauern auf, die sich nicht rühren. Das Kind soll alle schlagen und dabei die Züge zählen. Das ist eine vorzügliche Übung, um sich an den Sprung des Springers zu gewöhnen, jene Bewegung, die Anfängern am meisten Mühe bereitet. Ältere dürfen sich an der Königsaufgabe versuchen: den Springer genau einmal über jedes Feld ziehen lassen, das berühmte Springerproblem von Euler, mit weiteren Knobeleien für Ältere.

Übungsaufgaben für Schüler: Matt mit einem einzigen Zug

Sobald das Kind alle Figuren kennt, sind Mattaufgaben das ideale Training. Sämtliche unten abgebildeten Stellungen sind regelkonform, und ihre Lösungen wurden Zug für Zug überprüft. In jedem Diagramm ist Weiß am Zug.

Übung 1: der Turm (leicht)

Weiß: König b6, Turm h1. Schwarz: König a8. Weiß zieht und setzt mit einem Zug matt.
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Th8# (la tour va de h1 en h8). Le roi noir est attaqué sur la 8e rangée par la tour ; il ne peut pas aller en a7 ni en b7, cases contrôlées par le roi blanc, ni en b8, encore sur la rangée de la tour. C'est le seul mat en un coup.

Übung 2: das Matt im Gang (leicht)

Weiß: König g1, Turm e1, Bauern f2, g2, h2. Schwarz: König g8, Bauern f7, g7, h7. Weiß zieht und setzt mit einem Zug matt.
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Te8#. Der Turm setzt den König auf der 8. Reihe matt. Dem schwarzen Monarchen bleibt kein Ausweg: Die eigenen Bauern auf f7, g7 und h7 blockieren die Flucht, und sowohl f8 als auch h8 werden von der Turmlinie kontrolliert. Keine Figur in Schwarz vermag den Turm zu schlagen oder einen Zug dazwischen zu stellen. Festhalten lohnt sich: Wer seinen König hinter den eigenen Bauern verschanzt, bringt ihn auf der letzten Reihe in Bedrängnis.

Übung 3: vier Matts mit der Dame (mittel)

Weiß hat den König auf b6 und die Dame auf h7, Schwarz steht mit dem König auf a8. Suche die vier Züge mit der Dame, durch die ein Matt entsteht.
Lösung einblenden

Il y a exactement quatre mats : Dh8# et Dg8# (la dame attaque toute la 8e rangée, et le roi blanc garde a7 et b7), Db7# et Da7# (la dame se place juste à côté du roi noir, protégée par le roi blanc, qui l'empêche de la prendre).

Zu vermeidende Falle: In derselben Stellung ergeben Dc7 ?? und Dh2 ?? kein Matt: Der schwarze König steht nicht im Schach, besitzt aber nicht einen einzigen erlaubten Zug mehr. Das ist Patt, und die Partie endet remis. Eine ausgezeichnete Lektion, um den Unterschied zwischen Matt und Patt zu begreifen.

Übung 4: die Springergabel (mittel)

Weiß steht mit dem König auf g1, dem Springer auf d5 sowie den Bauern auf a2, b2, c2, f2, g2 und h2. Schwarz besitzt den König auf e8, die Dame auf a8 und die Bauern auf a7, b7, f7, g7 und h7. Weiß ist am Zug und erbeutet die schwarze Dame.
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Sc7+. Von c7 aus bedroht der Springer zugleich den König auf e8 und die Dame auf a8: eine sogenannte Gabel. Schwarz muss sich um seinen König kümmern (Kd8, Kd7, Ke7 oder Kf8); keine Figur kann den Springer schlagen, und einem Springerschach entgeht man nicht durch Dazwischenstellen. Im nächsten Zug gewinnt Sxa8 die Dame.

Aufgaben auf Papier, ganz ohne Brett lösen

Zusätzliche Übungen, die sich an den Mathematikunterricht anlehnen, bietet die Seite Mathematische Begriffe auf dem Schachbrett, die Sie gerne besuchen dürfen.

Im Großformat spielen: das Riesenschachbrett

Auf einem Schulhof, in einem Freizeitzentrum oder im Garten verwandelt ein Riesenschachbrett die Partie in ein Erlebnis. Die Kinder laufen über das Feld, tragen die Figuren und besprechen die Züge gemeinsam: ideal für Minispiele im Team. Ein Brett lässt sich mit Kreide aufzeichnen, doch es gibt auch leicht verstaubare Modelle, etwa ein zusammenklappbares Riesenschachbrett, um im Hof im großen Format zu spielen. Für große Formate im Freien hat Le Palais des Échecs außerdem einen Beitrag über das Riesenschachbrett für draußen veröffentlicht.

Und online?

Eigens für Kinder entwickelte Plattformen wie ChessKid bieten animierte Lektionen und Aufgaben. Sie können das Lernen sinnvoll ergänzen, sofern man weiterhin gegen einen echten Partner antritt und die Zeit vor dem Bildschirm begrenzt, vor allem bei den Kleinsten.

Oft gestellte Fragen

Auf welche spielerische Weise lässt sich Kindern Schach beibringen?

Am besten mit Minispielen, in denen nur wenige Figuren mitwirken, zum Beispiel das Bauernrennen oder Türme gegen Bauern, dazu kurze Partien und Mattaufgaben mit nur einem Zug. Eine neue Regel pro Übungseinheit reicht völlig aus.

Mit welchem Minispiel sollte man zuerst beginnen?

Beim Bauernrennen besitzt jede Seite ausschließlich Bauern; gewonnen hat, wer zuerst einen davon bis auf die letzte Reihe führt. Dafür braucht man bloß zwei Regeln, nämlich Ziehen und Schlagen, und die Partie ist in wenigen Minuten vorbei.

Was versteht man im Schach unter einem Patt?

Von einem Patt spricht man, wenn die Seite am Zug nicht im Schach steht, aber dennoch keinen erlaubten Zug besitzt. Daraufhin endet die Partie remis. Eine klassische Stolperfalle entsteht etwa, wenn man über eine Dame gegen einen allein stehenden König verfügt.

Woher bekommt man Schachübungen für Kinder?

Aus den Heften des Programms Class'Échecs, aus Anfängerbüchern für Kinder, über Lernplattformen für den Nachwuchs sowie auf dieser Seite, deren Aufgaben Zug für Zug kontrolliert wurden. Wer aus Österreich kommt, findet Auskünfte zu Kursen und Turnieren auch beim Österreichischen Schachbund (ÖSB).