Das Wichtigste auf einen Blick
Ein Schachprojekt entsteht in sechs Schritten: Ziel festlegen, Rahmen wählen, Material bereitstellen, Figur für Figur eine Steigerung aufbauen, jede Einheit mit den Fächern verbinden und zuletzt auswerten und würdigen. Eine Einheit pro Woche über ein Schuljahr ist ein realistischer Takt. Die Lehrkraft muss kein geübter Spieler sein, denn es gibt begleitete Einheiten, besonders über Class'Échecs.
Viele Lehrpersonen würden gerne mit ihren Schülerinnen und Schülern Schach spielen, zögern aber: „Ich spiele selbst nicht gut“, „Mir fehlt das Material“, „Wie passt das in den Stundenplan?“ Alle drei Hürden lassen sich leicht nehmen. Dieser Leitfaden beschreibt ein vollständiges Vorgehen, das vom Zyklus 1 (Kindergarten) bis zum Zyklus 3 (CM1, CM2, 6e) reicht, mit einer typischen Unterrichtsstunde und Ideen zur Auswertung.
- Ein pädagogisches Schachvorhaben
- Eine Folge von Einheiten über einen Zeitraum oder ein Schuljahr, in der das Schachspiel als Mittel für klar umrissene Lernziele dient (Mathematik, Sprache, soziale Kompetenzen), mit Steigerung, schriftlichen Spuren und Auswertung.
Vom Plan zur Umsetzung: das Schachprojekt in sechs Etappen
- Das Ziel festlegen. Klären, welchem Zweck das Projekt vorrangig dient: Mathematik (Orientierung, Rechnen), Sprache, Zusammenleben oder schlicht das Kennenlernen des Spiels.
- Rahmen und Zeitplan auswählen. Pro Woche eine Einheit von 30 bis 55 Minuten, entweder für einen begrenzten Zeitraum oder über das ganze Jahr, im regulären Unterricht oder in einer Werkstatt.
- Material bereitstellen. Ein Schachbrett für je zwei Schüler, ein Wandschachbrett oder ein projiziertes Brett für Vorführungen, dazu Arbeitsblätter für die Lernenden.
- Die Steigerung aufbauen. Eine Figur nach der anderen über Minispiele, danach das Schlagen, das Schach, das Matt und zuletzt eine vollständige Partie.
- Die Fächer einbeziehen. Jede Einheit mit einem ausdrücklichen Zeitabschnitt für Mathematik oder Sprache versehen: Koordinaten, Zählen, Wortschatz und schriftliche Aufzeichnungen.
- Auswerten und würdigen. Die Fortschritte mit einem schlichten Raster verfolgen und mit einem Höhepunkt abschließen: Klassenturnier, Begegnung mit einer anderen Schule oder Ausstellung.
Schritt 1: das Lernziel klären
Ein Schachprojekt kann verschiedene Ziele verfolgen, und das prägt die Gestaltung der Einheiten. Ist das Ziel mathematisch, enthält jede Einheit eine Phase zur Orientierung, zum Zählen oder Rechnen. Steht das Zusammenleben im Vordergrund, achtet man auf die Einhaltung der Regeln, den Handschlag vor und nach der Partie und das Akzeptieren einer Niederlage. Beides lässt sich verbinden, doch es ist ratsam, eines als roten Faden zu wählen. Studien zeigen übrigens, dass sich die Wirkung auf das Lernen deutlicher einstellt, wenn der Fachbezug ausdrücklich hergestellt wird (siehe was die Studien sagen).
Schritt 2: Umfang und Terminplanung
Am gebräuchlichsten ist eine wöchentliche Einheit während der Unterrichtszeit. Die Einheiten von Class'Échecs dauern je nach Thema 30 bis 55 Minuten. Bei einer Einheit pro Woche während eines Schuljahres kommt man auf rund dreißig Stunden, also jene Dauer, ab der Studien klarere Effekte feststellen. Ein kürzeres Projekt von sechs bis sieben Wochen eignet sich ebenfalls gut für eine erste Entdeckung.
Schritt 3: die Ausstattung
- Ein Schachbrett für je zwei Schüler: Spiel in Zweiergruppen, das ist das Grundformat.
- Ein Wandschachbrett (magnetisch oder mit Taschen) oder ein auf das digitale Whiteboard projiziertes Brett für gemeinsame Vorführungen.
- Arbeitsblätter für die Lernenden: Übungen auf kariertem Papier, auszufüllende Diagramme, schriftliche Aufzeichnungen.
- Bei Bedarf eine Schachuhr für die Älteren, gegen Ende des Projekts.
Das Class'Échecs-Set enthält das Wesentliche: 10 faltbare Schachbretter, ein magnetisches Wandschachbrett und 50 Schülerhefte. Details dazu finden Sie auf der Seite Class'Échecs.
Schritt 4: eine Steigerung nach Zyklus
| Zyklus | Alter | Erreichbare Ziele | Übliche Tätigkeiten |
|---|---|---|---|
| Zyklus 1 (Kindergarten) | Von 3 bis 6 Jahren | Figuren identifizieren und beim Namen nennen, auf einem Raster ziehen, die Zugfolge beachten | Parcours auf einem großen Bodenschachbrett, Figuren sortieren, Laufspiele mit zwei Bauern |
| Zyklus 2 (1. bis 3. Klasse Volksschule) | Von 6 bis 9 Jahren | Die Zugweise jeder Figur beherrschen, die Felder benennen, Schlagen und Schach verstehen | Kleine Übungsspiele mit einer oder zwei Figuren, Koordinaten, das Jagen von Feldern, erste simple Mattführungen |
| Zyklus 3 (4. Klasse Volksschule, 1. Klasse Unterstufe) | Von 9 bis 12 Jahren | Eine komplette Partie austragen, Matt mit Dame oder Turm geben, Aufgaben lösen und eine Partie protokollieren | Aufgaben mit Matt in einem Zug, Klassenturnier, Notation, mathematische Herausforderungen (Sissa, acht Damen) |
Die goldene Regel gilt in jedem Alter: eine neue Figur pro Einheit. Man beginnt mit Bauern und Türmen, deren Zugweise am einfachsten ist, dann folgen Läufer, Dame, König und zuletzt Springer, für die Kleinen oft am schwierigsten. Mit Minispielen lässt sich schon in der ersten Einheit spielen, ohne alle Regeln zu kennen: siehe Minispiele und Übungen für Kinder.
Schritt 5: Anknüpfung an andere Schulfächer
Mathematik
Die Orientierung auf dem Raster ist die naheliegendste Brücke: ein Feld benennen, eine Figur anhand ihrer Koordinaten finden, eine Bewegung verschlüsseln. Anschließend lassen sich die von einer Figur kontrollierten Felder zählen, der Materialwert beider Seiten vergleichen oder im Zyklus 3 und an der Mittelschule die Potenzen anhand des Schachbretts von Sissa erarbeiten. Fertige Übungen finden Sie unter Mathematikbegriffe auf dem Schachbrett und dem Schachbrett von Sissa.
Sprache
Der Wortschatz des Schachspiels ist reich und präzise: Spalte, Reihe, Diagonale, Rochade, Umwandlung, Patt. Einen Zug laut erklären, die Regel eines Minispiels formulieren oder eine Partie nacherzählen sind hervorragende Übungen für das Mündliche und das Schriftliche.
Gemeinsames Miteinander
Das Schachspiel eignet sich gut für die Arbeit an Regeln (berührt, geführt), an Fairness und Selbstbeherrschung. Die vier Grundsätze von Class'Échecs rücken übrigens die Zusammenarbeit in den Mittelpunkt: Man kann Zweierteams gegeneinander antreten lassen, die sich vor jedem Zug einigen müssen.
Die Verbindung zum gemeinsamen Kompetenzrahmen
Ein Schachprojekt berührt mehrere der fünf Bereiche des gemeinsamen Kompetenzrahmens (socle commun de connaissances, de compétences et de culture), der in Frankreich gilt:
- Bereich 1, Sprachen für Denken und Kommunikation: mathematische Sprache (Koordinaten), Fachwortschatz, mündliches Erklären.
- Bereich 2, Methoden und Werkzeuge für das Lernen: Gliederung des Denkens, Überprüfen, Einprägen.
- Bereich 3, persönliche und staatsbürgerliche Bildung: Achtung vor Regeln und anderen, Umgang mit Gefühlen.
- Bereich 4, natürliche und technische Systeme: methodisches Vorgehen beim Lösen von Problemen, logisches Schließen.
Eine typische 45-Minuten-Einheit
| Zeit | Phase | Was die Schülerinnen und Schüler tun |
|---|---|---|
| 5 Min. | Wiederholung | An der Tafel oder am Wandschachbrett: was man beim letzten Mal gelernt hat |
| 10 Min. | Entdeckung | Gemeinsame Vorstellung des Stundenthemas (eine Figur, eine Regel) |
| 15 Min. | Minispiel | In Zweiergruppen ein Spiel, das nur das Stundenthema verwendet |
| 10 Min. | Übung | Arbeitsblatt für den Einzelnen: Stellungsbild, Koordinaten, eine kurze Übungsaufgabe |
| 5 Min. | Abschluss | Gemeinsame Zusammenfassung in schriftlicher Form und Aufräumen der Materialien |
Schritt 6: auswerten und würdigen
Ein schlichtes Raster genügt: Kann das Kind jede Figur bewegen? Ein Feld benennen? Ein Schach erkennen? Mit der Dame matt setzen? Man kann auch fächerübergreifende Fähigkeiten beobachten: auf den eigenen Zug warten, eine Niederlage annehmen, einen Zug erklären. Ein Höhepunkt am Ende des Projekts, etwa ein Klassenturnier, eine Begegnung mit einer anderen Schule oder ein Simultanspiel gegen einen Spieler aus einem benachbarten Verein, gibt der ganzen Arbeit einen Sinn. Wer Kontakte zu Vereinen sucht, kann sich an den Österreichischen Schachbund (ÖSB) wenden.
Weiterbildung für Lehrkräfte, die selbst nicht spielen
Im Programm Class'Échecs gaben im Schuljahr 2022-2023 87 % der befragten Lehrkräfte an, das Spiel kaum oder gar nicht zu kennen. Nicht Schach spielen zu können hindert also nicht daran, ein Projekt durchzuführen. Die Selbstfortbildungen über M@gistère der Éducation nationale und die begleiteten Einheiten des Programms reichen für den Einstieg aus. Wer persönlich weitergehen möchte, findet außerdem digitale Fortbildungen für Lehrkräfte, die im Schach Anfänger sind, die man im eigenen Tempo absolvieren kann.
Oft gestellte Fragen
So baut man ein Schachprojekt im Unterricht auf
Zuerst ein Ziel festlegen (Mathematik, Sprache oder Zusammenleben), pro Woche eine Einheit planen, ein Schachbrett für je zwei Schüler und ein Wandbrett bereitstellen, Figur für Figur über Minispiele vorankommen, jede Einheit einem Fach zuordnen und abschließend mit einem einfachen Raster auswerten.
Lässt sich Schach schon im Zyklus 2 unterrichten?
Ja. Der Zyklus 2 (CP, CE1, CE2) ist das Herzstück des Programms Class'Échecs. Dort erarbeiten sich die Kinder die Zugweise der Figuren, die Feldkoordinaten und die ersten Matts, und zwar über Minispiele mit einer oder zwei Figuren.
Wie viele Stunden sollte man einplanen?
Als Richtwert gilt eine Einheit pro Woche über das gesamte Schuljahr, das ergibt rund dreißig Stunden. Ab diesem Umfang zeigen Studien klarer messbare Wirkungen. Für eine erste Entdeckung reichen bereits sechs bis sieben Wochen.
Muss man selbst Schach beherrschen, um ein Projekt durchzuführen?
Nein. Die begleiteten Einheiten von Class'Échecs und die Selbstfortbildungen über M@gistère richten sich an Lehrkräfte ohne Vorkenntnisse. Die meisten Lehrpersonen, die am Programm teilnahmen, kannten das Spiel zu Beginn gar nicht.