Schach und Mathematik

Rechnen, Geometrie, Abtasten: Die mathematischen Ideen, mit denen ein Kind auf dem Schachbrett arbeitet

Koordinaten, Diagonalen, Parität, Abstand, Zählen: Hinter jeder Schachregel verbirgt sich ein mathematischer Begriff. Wir stellen sie vor, samt geprüfter Übungen für Unterricht oder Zuhause.

Das Wichtigste in Kürze

Auf dem Schachbrett lernt ein Kind, Positionen über Koordinaten zu bestimmen (jedes Feld trägt einen Buchstaben und eine Ziffer), dazu Geometrie (Reihen, Spalten, Diagonalen), Parität (der Läufer wechselt nie die Farbe), Entfernungen, Rechnen mit dem Figurenwert und Zählen. Diese Inhalte finden sich in den Lehrplänen von Volksschule und Unterstufe, weshalb Schach und Mathematik auf spielerische Art gut zusammenpassen.

Schach ist kein verkappter Mathematikkurs, steht ihr aber sehr nahe. Ein spielendes Kind setzt unbewusst Konzepte ein, die der Mathematiklehrplan ohnehin verlangt. Erwachsene können helfen, diese Verbindungen bewusst zu machen. Alle folgenden Übungen wurden überprüft.

Positionsbestimmung in einem Raster
Die Fähigkeit, ein Feld in einem Raster mit zwei Angaben festzulegen: seiner Spalte und seiner Reihe. Am Schachbrett sind die Spalten mit a bis h und die Reihen mit 1 bis 8 gekennzeichnet; das Feld e4 befindet sich also dort, wo sich Spalte e und Reihe 4 kreuzen.

Schach und Mathematik auf einen Blick

BegriffWas man auf dem Schachbrett wahrnimmtStufe
StandortbestimmungDie Feldbezeichnungen (von a1 bis h8)Zyklus 2
GeometrieReihen, Spalten, Diagonalen, Symmetrie der GrundstellungZyklen 2 und 3
ParitätDer Läufer bleibt auf seiner Farbe, der Springer wechselt die Farbe bei jedem ZugZyklus 3, Sekundarstufe I
EntfernungenZahl der Königsschritte und die QuadratregelZyklus 3, Sekundarstufe I
RechnenFigurenwert, Bilanz bei FigurentauschZyklen 2 und 3
ZählenFelder, Quadrate und erlaubte ZügeZyklus 3, Sekundarstufe I
PotenzenDas Sissa-Schachbrett und die Shannon-ZahlCollège (4e)

Die Orientierung mithilfe der Koordinaten

Das Schachbrett ist ein Raster aus 8 Spalten (von a bis h, von links nach rechts aus der Sicht von Weiß) und 8 Reihen (von 1 bis 8, von Weiß aus gezählt). Jedes Feld hat deshalb einen eindeutigen Namen, ähnlich einem Punkt in einem Koordinatensystem: Zuerst nennt man die Spalte, dann die Reihe. Die Positionsbestimmung in einem Raster steht in den Mathematiklehrplänen der Volksschule, und sie gehört zu den ersten Einheiten im Programm Class'Échecs.

Übungen. 1) Auf welchem Feld steht der weiße König zu Spielbeginn? 2) Welches Feld liegt auf dem Schnittpunkt von Spalte d und Reihe 5? 3) Wie viele Felder hat Spalte c? 4) Wie viele helle Felder hat das Schachbrett?

Lösungen. 1) e1. 2) d5. 3) 8. 4) 32 (gleich viele wie dunkle Felder).

Reihen, Spalten, Diagonalen

Der Turm bewegt sich auf Reihen und Spalten, der Läufer auf Diagonalen, die Dame auf beiden. So erkennen Kinder ganze Scharen von Geraden: die waagrechten, die senkrechten und zwei Scharen von Diagonalen. Die beiden längsten Diagonalen (a1–h8 und a8–h1) umfassen 8 Felder, die kürzesten in den Ecken nur eines.

Die Grundstellung zeigt außerdem eine schöne Achsensymmetrie: Die weißen und schwarzen Figuren stehen spiegelbildlich zur Linie, die die Reihen 4 und 5 voneinander trennt. Die weiße Dame steht auf einem hellen Feld (d1), die schwarze Dame auf einem dunklen (d8).

Übung. Eine Dame steht auf d4 eines leeren Schachbretts. Wie viele Felder beherrscht sie?

Lösung. 27: 7 Felder in Spalte d, 7 in Reihe 4, 7 auf der Diagonale a1–h8 (a1, b2, c3, e5, f6, g7, h8) und 6 auf der Diagonale a7–g1 (a7, b6, c5, e3, f2, g1).

Die Parität: welche Farbe ein Feld hat

Ein Läufer zieht diagonal, und auf einer Diagonale haben alle Felder dieselbe Farbe. Ein Läufer, der auf einem dunklen Feld startet, betritt daher niemals ein helles Feld. Das ist eine Invariante, also eine Eigenschaft, die sich unabhängig vom Spielverlauf nicht verändert. Der Springer verhält sich gegensätzlich: Mit jedem Sprung wechselt er die Feldfarbe.

Eine unterhaltsame Folgerung: Um von einem dunklen Feld zu einem anderen dunklen Feld zu gelangen, braucht ein Springer stets eine gerade Anzahl an Sprüngen. Von a1 nach h8 (beide dunkel) benötigt er mindestens 6. Und um von a1 nach b2 zu kommen, dem diagonal benachbarten Feld, braucht er … 4 Sprünge, obwohl es direkt nebenan liegt! Diese Überlegung zur Feldfarbe ist zugleich der Schlüssel zum berühmten Problem des verstümmelten Schachbretts, das auf der Seite die großen Knobelaufgaben des Schachbretts behandelt wird.

Die Entfernungen: der König und die Quadratregel

Der König zieht ein Feld in jede beliebige Richtung, auch diagonal. Um von einem Feld zum anderen zu gelangen, braucht er deshalb so viele Züge wie der größere der beiden Abstände, gemessen in Spalten oder in Reihen. Von a1 nach h8 sind es 7 Züge (nicht 14), von b2 nach e4 sind es 3. Mathematikerinnen und Mathematiker nennen diese Art der Abstandsmessung Tschebyschow-Abstand: Auf dem Schachbrett sind die „Kreise“ um den König Quadrate.

Daraus ergibt sich die den Spielern gut bekannte Quadratregel: Kann ein König einen gegnerischen Bauern abfangen, der zur Umwandlung vorrückt? Man zeichnet das Quadrat, dessen eine Seite vom Bauern bis zu seinem Umwandlungsfeld reicht. Liegt der König in diesem Quadrat oder erreicht er es mit seinem nächsten Zug, fängt er den Bauern ab; andernfalls wird der Bauer zur Dame. Vorsicht: Steht ein Bauer noch auf seiner Ausgangsreihe, darf er zwei Felder ziehen; dann muss das Quadrat so gezeichnet werden, als stünde er bereits ein Feld weiter.

Weiß: König auf h1, Bauer auf a5. Schwarz: König auf e4. Der Bereich, den der Bauer erfassen kann, erstreckt sich von a5 bis d8.

Übung. In der obigen Stellung muss der Bauer a5 drei Schritte machen, um a8 zu erreichen. Kann der schwarze König ihn aufhalten, a) wenn Weiß am Zug ist? b) wenn Schwarz am Zug ist?

Lösungen. a) Nein: Nach a6 reicht das Quadrat des Bauern von a6 bis c8, und der schwarze König kann nicht hinein (nach Kd5, a7; Kc6, a8=D, ist der König zu weit entfernt). b) Ja: Kd5 betritt das Quadrat a5–d8; dann a6 Kc6, a7 Kb7, a8=D+ Kxa8.

Mit Figurenwerten rechnen

Den Figuren ist traditionell ein Wert zugeordnet: Bauer 1, Springer 3, Läufer 3, Turm 5, Dame 9 (der König ist unbezahlbar). Claude Shannon übernahm diese Bewertung übrigens 1950 in seinem Aufsatz über die Programmierung des Schachspiels. Diese Werte dienen dazu, Bilanzen zu ziehen.

Übungen. 1) Welchen Gesamtwert haben die Figuren einer Partei zu Spielbeginn, ohne König? 2) Weiß gibt einen Turm und nimmt dafür einen Läufer und einen Bauern. Hat Weiß beim Tausch gewonnen oder verloren?

Lösungen. 1) 8 Bauern (8) + 2 Springer (6) + 2 Läufer (6) + 2 Türme (10) + 1 Dame (9) = 39. 2) Weiß gibt 5 und erhält 3 + 1 = 4: Weiß hat einen Punkt verloren.

Das Zählen: Aus wie vielen Feldern besteht ein Schachbrett?

Ein Schachbrett hat 8 × 8 = 64 Felder, 32 helle und 32 dunkle. Zählt man aber alle Quadrate, die sich darauf einzeichnen lassen, und zwar in allen Größen, kommt man auf 204: Das ist die Summe 1 + 4 + 9 + 16 + 25 + 36 + 49 + 64. Die Einzelheiten der Rechnung finden sich auf der Seite der Knobelaufgaben des Schachbretts.

Potenzen: was passiert, wenn das Brett gewaltig wächst

In der Unterstufe wird das Schachbrett zu einem Übungsfeld für Potenzen und die wissenschaftliche Schreibweise. Zwei klassische Aufgaben sind die Legende von Sissa, die zu 264 − 1 Reiskörnern führt, und die Shannon-Zahl mit rund 10120 möglichen Partien. Bildungsbehörden veröffentlichen immer wieder Arbeitsblätter zur Legende des Schachspiels für die Klasse 4e in Frankreich. Ausführliche Lösungen finden Sie auf unseren Seiten zum Sissa-Schachbrett und zur Shannon-Zahl.

Welche Spiele danach?

Schach ist nicht das einzige Spiel, das logisches Denken fördert. Dame, Go oder viele moderne Gesellschaftsspiele verlangen ebenfalls Vorausschau und Schlussfolgerungen. Le Palais des Échecs, ein französischer Anbieter, stellt eine Auswahl vor: weitere Gesellschaftsspiele, die die Logik schulen. Wer im Unterricht eine vollständige Reihe zu diesen Begriffen aufbauen möchte, findet unter Planung eines pädagogischen Schachprojekts Anregungen. Fragen zu Angeboten in Österreich richten Sie am besten an den Österreichischen Schachbund (ÖSB).

Oft gestellte Fragen

Welche mathematischen Konzepte schult man beim Schachspielen?

Koordinatensystem, Geometrie (Reihen, Spalten, Diagonalen, Symmetrie), Parität (Feldfarben), Entfernungen, Rechnen mit dem Figurenwert, Zählen sowie in der Unterstufe die Potenzen.

Aus wie vielen Feldern besteht ein Schachbrett?

Es sind 64 Felder in 8 Spalten und 8 Reihen, davon 32 helle und 32 dunkle. Wer alle Quadrate jeder Größe zählt, kommt auf 204.

Worum geht es bei der Quadratregel?

Mit ihr prüft man, ob ein König einen gegnerischen Bauern noch abfangen kann. Man zeichnet das Quadrat vom Bauern bis zu seinem Umwandlungsfeld: Steht der König darin oder erreicht er es mit dem nächsten Zug, fängt er den Bauern ab.

Weshalb bleibt der Läufer stets auf derselben Feldfarbe?

Er zieht nur diagonal, und alle Felder einer Diagonale besitzen dieselbe Farbe. Ein Läufer, der auf einem dunklen Feld beginnt, bleibt daher die ganze Partie über auf dunklen Feldern.